MIGRÄNE: DIE UNTERSCHÄTZTE VOLKSKRANKHEIT

Migräne betrifft weltweit mehr als eine Milliarde Menschen und zählt damit zu den häufigsten Erkrankungen überhaupt. Dennoch bleibt die Versorgung oft unzureichend. Viel zu oft wird Migräne als „ein bisschen Kopfweh“ abgetan, fehldiagnostiziert oder nicht angemessen behandelt – und das, obwohl die Erkrankung das Sozialleben und den Beruf massiv beeinträchtigt.

 

Die Zahlen des Global Burden of Disease Report (GBD), einer globalen Gesundheitsstudie, die die Auswirkungen von Krankheiten auf Lebensjahre und Lebensqualität untersucht, verdeutlichen die Tragweite: Migräne ist weltweit die zweithäufigste Ursache für gelebte Jahre mit Beeinträchtigung – und bei Frauen im Alter von 15 bis 49 Jahren sogar der Hauptgrund für Einschränkungen im Alltag.

Grundlage einer jeden Behandlung ist die korrekte Diagnose, die in der Regel auf einer sorgfältigen neurologischen Anamnese und körperlichen Untersuchung basiert. Moderne Therapieansätze sind multimodal: Sie kombinieren nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Lebensstiländerungen und Entspannungsverfahren mit einer gezielten Akuttherapie zur schnellen Linderung einzelner Attacken und einer Prophylaxe mit Medikamenten, die die Häufigkeit der Anfälle reduzieren.

In den letzten Jahren gab es einen Durchbruch in der Migränebehandlung: Therapien, die gezielt auf den körpereigenen Botenstoff CGRP wirken, können Migräneattacken wirksam verhindern. Sie agieren spezifisch und sind gut verträglich:

Anti-CGRP-Antikörper: Bereits ab vier Migränetagen pro Monat können vierteljährliche Infusionen oder monatliche Spritzen die Häufigkeit der Attacken deutlich senken.

Gepante: Diese neuen Tabletten blockieren den CGRP-Rezeptor und lassen sich sowohl zur Akutbehandlung als auch vorbeugend einsetzen.

Chronische Migräne: Bei außerordentlich häufigen Kopfschmerzen hat sich Onabotulinumtoxin A (Botox) als bewährter Standard etabliert.

Das Minimalziel jeder Behandlung ist es, die Zahl der Kopfschmerztage zu halbieren. Mit frühzeitiger Diagnose und einer individuell abgestimmten Therapie ist heute selbst für langjährig Betroffene ein nahezu migränefreies Leben möglich“, erklärt Dr. Tischler.