Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Alfred Königsrainer eröffnete der Gastroenterologe Dr. Michele Comberlato den Abend mit einem fundierten Überblick über Aufbau und Funktion des menschlichen Verdauungssystems. Anschaulich erläuterte er, wie fein abgestimmt die Prozesse im Magen-Darm-Trakt ablaufen und welche Beschwerden auftreten können, wenn dieses sensible Gleichgewicht aus dem Takt gerät. Betroffene klagen dann häufig über Sodbrennen, Völlegefühl, Verdauungsstörungen oder Schmerzen hinter dem Brustbein.
Besonderes Augenmerk legte Dr. Comberlato auf die Entstehung von Magenschleimhautentzündungen und Refluxbeschwerden. Dabei machte er deutlich, welch entscheidende Rolle unsere individuellen Lebens- und Essgewohnheiten in diesem Kontext einnehmen. Unregelmäßige Mahlzeiten, der zunehmende Konsum von Fertigprodukten sowie zucker- und kohlensäurehaltiger Getränke und ein zu geringer Verzehr von Obst und Gemüse zählen zu den wichtigsten Faktoren, die das Auftreten von Beschwerden begünstigen können. Aus diesem Grund, so der Experte, gebe es keine allgemeingültige Therapie. Vielmehr stehe eine individuell abgestimmte Behandlung im Vordergrund, die die persönliche Lebenssituation und die Ernährungsgewohnheiten der Betroffenen berücksichtigt. Oft reichten bereits kleine Veränderungen im Alltag, um eine deutliche Linderung der Beschwerden zu erzielen.
Auch das Thema Gastroskopie wurde näher behandelt. Dr. Comberlato nahm dem Publikum mögliche Ängste, indem er erklärte, dass eine Magenspiegelung heute dank innovativer, besonders dünner Endoskope und der Möglichkeit einer sanften Sedierung in der Regel schnell, schonend und unkompliziert durchgeführt werden kann. Eine Botschaft lag dem Gastroenterologen besonders am Herzen: Trotz notwendiger Einschränkungen dürfe die Freude am Essen nicht verloren gehen. Eine ausgewogene Ernährung schließe Genuss – und gelegentliche Ausnahmen - keineswegs aus.
Diese Auffassung teilte auch Dr. Ivonne Daurù, die im zweiten Teil des Vortrags ausführlicher auf den Stellenwert der Ernährung für die Gesundheit des Verdauungssystems einging. Die Ernährungsberaterin stellte die Grundprinzipien der mediterranen Ernährung vor, deren Wurzeln in der traditionellen bäuerlichen Lebensweise der Mittelmeerländer liegen und die auf frischen, einfachen und möglichst selbst zubereiteten Speisen basiert. Neben reichlich Gemüse, Obst, Vollkornprodukten und hochwertigen pflanzlichen Fetten spielen dabei auch Gewürze eine wichtige Rolle. So erläuterte Dr. Daurù unter anderem die positiven Eigenschaften von Knoblauch, Ingwer und Peperoncino. Mit praxisnahen Beispielen gelang es ihr, komplexe Zusammenhänge verständlich und alltagsnah zu vermitteln. Für Erstaunen sorgte etwa die Information, dass allein der Magen für die Verdauung einer Bratwurst mit Pommes bis zu acht oder neun Stunden benötigen kann.
Umso wichtiger seien deshalb ballaststoffreiche Lebensmittel, Vollkorngetreide sowie natürliche Pektine, die die Verdauung unterstützen und zu einer gesunden Darmflora beitragen. Neben zahlreichen wertvollen Ernährungstipps gab die Expertin den Teilnehmenden auch zwei unkomplizierte Rezepte für zuhause mit auf den Weg, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen. In einem Punkt waren sich beide Referenten besonders einig: Nicht nur die Auswahl der Lebensmittel, sondern auch die Art und Weise, wie wir essen, hat einen wesentlichen Einfluss auf unsere Gesundheit. Achtsam zu essen, sich ausreichend Zeit für die Mahlzeiten zu nehmen, Speisen ansprechend anzurichten und diese bewusst zu genießen – all das kommt nicht nur unserem Verdauungssystem zugute, sondern trägt auch maßgeblich zum allgemeinen Wohlbefinden bei.















