Wenn Kilos krank machen – Fachvortrag im ST. JOSEF Meran

„Informieren. Verstehen. Handeln.“ Unter diesem Leitgedanken stand der interdisziplinäre Expertenvortrag „Wenn Kilos krank machen – Was wirklich hilft“, der kürzlich im ST. JOSEF Gesundheitszentrum Meran vor zahlreichem Publikum stattfand. Mit einem ebenso fundierten wie alltagsnahen Zugang zeigten Internist Dr. Hannes Stoll und Ernährungstherapeutin Brigitte Vinatzer B.Sc. wie eng Körpergewicht, Stoffwechsel und Lebensstil miteinander verknüpft sind – und wie viel selbst kleine Veränderungen bewirken können.

 

Prof. Dr. Alfred Königsrainer, Sanitätsdirektor des Hauses und Moderator des Abends, eröffnete den Vortrag mit eindrucksvollen Zahlen: Rund 135 Millionen Menschen in Europa gelten laut WHO als adipös, und jedes Jahr ist Adipositas an etwa 320.000 Todesfällen mitbeteiligt. Eine Entwicklung, die die Tragweite der Problematik unmissverständlich vor Augen führt.

Dr. Hannes Stoll, Facharzt für Innere Medizin und Nephrologie im ST. JOSEF Gesundheitszentrum Meran – Bozen, führte die Anwesenden in die komplexe Welt des metabolischen Syndroms ein – jenes gefährlichen Zusammenspiels von Risikofaktoren, das die Entstehung schwerwiegender Erkrankungen wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Typ-2-Diabetes und Arteriosklerose begünstigt. In der Medizin spricht man von einem metabolischen Syndrom, wenn mindestens drei der folgenden Faktoren zusammenkommen: abdominale Adipositas, erhöhter Blutzucker, Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte (Triglyzeride) und ein zu niedriger HDL-Cholesterinspiegel. Besonderes Augenmerk legte Dr. Stoll auf das viszerale Bauchfett, das als hormonell aktives Gewebe den Stoffwechsel nachteilig beeinflussen kann. Zur Einschätzung eines erhöhten Gesundheitsrisikos gilt dabei ein klarer Orientierungswert: Der Taillenumfang sollte bei Frauen 88 cm und bei Männern 102 cm nicht überschreiten. Zugleich machte Dr. Stoll deutlich, dass Adipositas ein multifaktorielles Geschehen ist, das von genetischen Faktoren über ungünstige Ernährungs- und Lebensgewohnheiten bis hin zu begünstigenden Erkrankungen wie Depressionen, COPD oder hormonellen Störungen reicht.

Wie maßgeblich Prävention und Therapie durch den eigenen Lebensstil beeinflusst werden können, zeigte daraufhin Ernährungstherapeutin Brigitte Vinatzer B.Sc. auf und verwies dabei insbesondere auf die mediterrane Ernährung: Viel Gemüse, eine ausgewogene Menge an Getreide- und Milchprodukten, hochwertiges Olivenöl, Hülsenfrüchte und Fisch bilden das Fundament einer Ernährung, die als wissenschaftlich belegte Grundlage zur Vorbeugung von Adipositas und deren Folgeerkrankungen gilt. Der „optimale Teller“ folgt einem klaren, alltagstauglichen Prinzip: Die Hälfte der Mahlzeit besteht aus Gemüse, ergänzt durch eine ausgewogene Kombination aus hochwertigen Proteinquellen, komplexen Kohlenhydraten und gesunden Fetten. Mit gängigen Abnehmmythen wie der Annahme, Kohlenhydrate und Eiweiße müsse man trennen, Saftkuren seien ein probates Mittel zur Gewichtsreduktion oder „FDH“ stelle die beste Diätstrategie dar, räumte die Expertin in diesem Zusammenhang entschieden auf. Vielmehr unterstrich sie den Stellenwert regelmäßiger körperlicher Aktivität: Mindestens 30 Minuten Bewegung pro Tag gelten als evidenzbasierte Empfehlung und stellen einen wesentlichen Baustein der Prävention dar.

Bleibt der Erfolg trotz konsequenter Lebensstiländerung aus, können ergänzend medikamentöse oder chirurgische Therapieoptionen in Betracht gezogen werden. Moderne Wirkstoffe wie Semaglutid oder Tirzepatid unterstützen dabei, das Sättigungsgefühl zu steigern und den Appetit zu regulieren. Zugleich betonten die Expert*innen ausdrücklich, dass eine medikamentöse Therapie stets in ein ganzheitliches Behandlungskonzept eingebettet sein muss, um Nebenwirkungen zu minimieren und langfristige Effekte abzusichern. Ebenso zentral ist der konsequente Blick auf die Begleiterkrankungen der Adipositas: Regelmäßige Blutdruckkontrollen dienen der frühzeitigen Erkennung und Behandlung von Hypertonie, während Urinanalysen im Rahmen von Blutuntersuchungen helfen, chronische, häufig lange symptomlos verlaufende Nierenerkrankungen rechtzeitig zu identifizieren.

Zum Schluss brachte Prof. Königsrainer die zentrale Botschaft des Abends noch einmal auf den Punkt: Realistische Ziele, professionelle Unterstützung und ein aktives Mitwirken der Betroffenen entscheiden letzten Endes über den Therapieerfolg. Ein gesunder Lebensstil ist kein kurzfristiges Projekt, sondern eine lebenslange Aufgabe – eine, die Konsequenz erfordert, sich aber in jedem Fall bezahlt macht.