Entsprechend hoch war die Resonanz an diesem Abend: Rund 170 Interessierte waren der Einladung des ST. JOSEF Gesundheitszentrum gefolgt, um sich im voll besetzten Saal der Mensana fundiert über ein Thema zu informieren, das bereits heute rund 30 – 40 % der Bevölkerung betrifft – Tendenz steigend.
Nach der Begrüßung durch Prof. Dr. Alfred Königsrainer eröffnete Dr. Christian Thuile den Vortrag mit einem Überblick über die zunehmende Verbreitung allergischer Erkrankungen und erläuterte die wesentlichen Ursachen: Luftverschmutzung, der Klimawandel mit längeren Pollensaisonen, veränderte Ernährungsgewohnheiten, aber auch der sogenannte „Bauernhof-Effekt“, der auf der Basis zahlreicher Studien zeigt, dass ein zu steriles Umfeld und mangelnder Keimkontakt in der Kindheit das Auftreten von Allergien begünstigen. Hinzu kommen Risikofaktoren, wie Tabakrauch, Kaiserschnittgeburten, eine frühe und häufige Antibiotikagabe und chronischer Stress, die ebenfalls eine nicht zu unterschätzende Rolle in der Entwicklung von Allergien spielen. Und auch die Genetik ist entscheidend. In diesem Zusammenhang liefert die Statistik eindeutige Daten: Leiden beide Elternteile an Allergien, liegt das Erkrankungsrisiko für die Kinder bei 60 bis 80 %.
Mit eindrucksvollen Zahlen stieg auch Dr. Oskar Steger in seinen Part des Vortrags ein. Das „Faszinosum Haut“, das mit einer Fläche von 1,8 bis 2 m² und einem Gewicht von 3,5 bis 10 kg das größte Organ des menschlichen Körpers bildet, ist ein zentrales Thema in der modernen Allergologie. So fungiert unser Hautmikrobiom – die natürliche Hautflora – als biologische Schutzbarriere und ist ein aktiver Teil unseres Immunsystems. Ist diese Hautbarriere geschwächt oder gestört – etwa durch trockene Haut –, können Allergene leichter eindringen und eine immunologische Reaktion auslösen, die sich dann in Form von Juckreiz, Rötungen oder Ekzemen äußert. „Begünstigende Faktoren sind hormonelle Veränderungen, eine genetische Prädisposition, Stress, aber auch äußere Einflüsse wie UV-Strahlung, Heizungsluft, ungeeignete Pflegeprodukte oder der Kontakt mit Chemikalien. Auch systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder bestimmte Medikamente können als Nebenwirkung zu trockener Haut führen,“ so Dr. Steger.
Den diagnostischen Teil übernahm Dr. David Wanner, ärztlicher Leiter des Allergie Ambulatorium Hall in Tirol. Er betonte die Bedeutung der Anamnese als Fundament jeder allergologischen Abklärung und legte allen Betroffenen nahe, regelmäßig ein Symptom- bzw. Ernährungstagebuch zu führen, um mögliche Allergieauslöser ausfindig zu machen. Neben klassischen Testverfahren wie dem Prick-Test und dem Prick-to-Prick-Test, bei dem frische Lebensmittel wie rohes Obst und Gemüse direkt auf der Haut getestet werden, stellte er auch den innovativen ALEX-Test vor. Mithilfe moderner Proteintechnologie können dabei aus einer einzigen Blutprobe knapp 300 weltweit relevante Allergene analysiert und der individuelle Sensibilisierungsstatus bestimmt werden. Entscheidend sei jedoch stets die Gesamtschau: „Labor- und Hauttests müssen immer im Zusammenhang mit der klinischen Symptomatik interpretiert werden. Ohne entsprechende Anamnese ist eine Allergie unwahrscheinlich“, so Wanner.
Zum Schluss zeigte Dr. Christian Thuile die Therapiemöglichkeiten auf. Neben der konsequenten Allergenkarenz – etwa durch Stoßlüften in den Morgenstunden oder sorgfältige Betthygiene – erläuterte er medikamentöse Optionen und die spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung), bei der der Körper schrittweise lernt, das Allergen zu tolerieren. Auch die im ST. JOSEF angebotene Entwöhnungstherapie sowie komplementärmedizinische Ansätze wurden thematisiert. Unterm Strich aber gilt: Geduld und Regelmäßigkeit sind das A und O, wenn es um den Behandlungserfolg geht.
Mit einer prägnanten Take-home-Message entließ Dr. Thuile das Publikum und verdeutlichte seine Botschaft mit einem anschaulichen Vergleich: „Bei Allergien ist es wichtig, bereits bei den ersten Symptomen aktiv zu werden. Frühzeitiges Eingreifen ist entscheidend – vergleichbar mit einem Strohfeuer, das man besser sofort löscht, bevor sich die Flammen auf das ganze Haus ausbreiten.“
Nähere Informationen zu allergologischen Beratungsgesprächen und zur Durchführung des ALEX-Tests im ST. JOSEF Gesundheitszentrum Meran – Bozen unter health@stjosef.it


















