Die Auswirkungen jedoch sind weitreichender, als man vermuten würde. Betroffene empfinden es meist als belastend, wenn sie Gesprächen plötzlich nicht mehr folgen können oder sie ständig nachfragen müssen. Nicht selten führt dies zu Unsicherheit und sozialem Rückzug. Eine Entwicklung, die ernst zu nehmen ist: Soziale Isolation, depressive Verstimmungen und auch ein beschleunigter kognitiver Abbau stehen in engem Zusammenhang mit einer nachlassenden Hörkraft im Alter.
Hören ist weit mehr als ein mechanischer Prozess. „Das Ohr hört – aber das Gehirn versteht“, erklärt HNO-Facharzt Dr. Umberto Zanarotti. „Wird das Gehör nicht ausreichend stimuliert, verliert auch das Gehirn an Verarbeitungskompetenz.“
Umso wichtiger ist eine frühzeitige Abklärung. Spätestens ab dem 60. Lebensjahr empfehlen Expert*innen regelmäßige Hörtests. Denn je früher eine Schwerhörigkeit erkannt wird, desto besser lässt sie sich behandeln. Moderne Hörgeräte können das Hörvermögen deutlich verbessern – vorausgesetzt, das Gehirn ist noch ausreichend trainiert, um die Signale richtig zu verarbeiten.
Dr. Zanarotti veranschaulicht diesen Prozess mit einem einprägsamen Vergleich: „Menschen mit Schwerhörigkeit nehmen feine Klangunterschiede ähnlich eingeschränkt wahr wie Farbenblinde subtile Farbnuancen. Erst durch Bewusstsein und gezielte Unterstützung öffnet sich wieder eine differenzierte Wahrnehmung – und damit ein Stück Lebensqualität, das im Alter wesentlich zu Selbstständigkeit, sozialer Teilhabe und Unabhängigkeit beiträgt.“
ST. JOSEF Gesundheitszentrum Meran
Dr. Umberto Zanarotti, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde
T. 0473 864 333
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