Bläserensemble Philomousia am 3. August im ST. JOSEF Meran

Das Bläserensemble Philomousia unter der Leitung von Othmar Trenner spielte auf der lauschigen Terrasse im Innenhof des ST. JOSEF Meran auf. Das Bläserensemble Philomousia wurde im Jahr 2005 gegründet und weist seither in variabler Besetzung, vom Trio bis hin zum erweiterten Bläserensemble, eine regelmäßige Konzerttätigkeit auf. Den (im wörtlichen Sinne) Dilettanten ist insbesondere die Pflege und Verbreitung von klassischer Harmoniemusik ein großes Anliegen. Das Repertoire reicht von Originalwerken der Vorklassik bis hin zu typischen Bearbeitungen bedeutender Opern und Sinfonien des ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts für diese Besetzung. Seit 2013 steht Othmar Trenner als musikalischer Leiter dem Ensemble vor.

 

Bläserensemble Philomousia

Leitung: Othmar Trenner
Klavier: Nika Afazel
3. August 2022 – 19 Uhr Meran, Kur- & Pflegeheim ST. JOSEF
Eintritt: frei und öffentlich zugänglich

Programm

  • W. A. Mozart: Auszüge aus Così fan tutte
  • R. Strauss: Serenade in Es-Dur
  • J. Triebensee: Concertino für Klavier und Bläserensemble
  • F. Chopin: Ballade Nr. 1 in g-Moll
  • A. Ponchielli: Il Convegno (Solisten: Simon Rauch, Christine Greif)

 

Harmoniemusik

Eine schöne Blasmusik besteht anjetzt gemeiniglich aus 2 Hoboen, 2 Clarinetten, 2 Hörnern und 2 Fagotten. So zu lesen in einem Musiklexikon aus dem Jahre 1802. In der Tat wurde um 1760 die sogenannte „Feldmusik“ um zwei Klarinetten erweitert zur Harmoniemusik – oder kurz zur „Harmonie“. Bereits 1763 wurde dieses Oktett-Format verpflichtend für alle preußischen Militärkapellen eingeführt, 1782 ließ auch Kaiser Joseph II. in Wien eine „Kaiserliche und königliche Harmonie“ einrichten, für die bis 1837 nahezu 200 Werke komponiert wurden. Im 2. Akt von „Don Giovanni“ (1787) hat Mozart die damals weit verbreitete Funktion der „Harmonie“ als Tafelmusik verewigt: „Schon ist der Tisch gedeckt: Macht Musik, ihr lieben Leute. Wenn ich schon mein Geld ausgebe, will ich auch gut unterhalten werden …“

Zum Programm

Così fan tutte – So machen es alle: Das behauptet zumindest Don Alfonso. Er will seinen Freunden Guglielmo und Ferrando beweisen, dass auch ihre Verlobten Fiordiligi und Dorabella keine Ausnahme von der Regel, d. h. untreu sind wie alle Frauen. So lassen sich die beiden Offiziere, der Treue ihrer jeweiligen Frauen sicher, auf das Spiel ein, in dem sie beide verkleidet um die Partnerin des Freundes werben – mit Erfolg. Erst im letzten Moment klären sie das Verwechslungsspiel auf. Diese „Schule der Liebenden“ („La scuola degli amanti“), so der Untertitel dieser letzten gemeinsamen Oper von Wolfgang Amadeus Mozart (1756–1791) und dem Librettisten Lorenzo da Ponte, wurde am 26. Jänner 1790 am Wiener Burgtheater uraufgeführt – mit eher mäßigem Erfolg. Anstoß erregte nicht die Musik Mozarts, sondern das vermeintlich schlechte Libretto von Da Ponte; der Stoff wurde von einigen geradezu als Provokation empfunden. Während die Musik, nicht zuletzt dank der noch in den 1790er Jahren angefertigten diversen Arrangements für Harmoniemusik, u. a. vom Oboisten der Wiener Hofmusikkapelle Johann Nepomuk Wendt sowie von dessen Schwiegersohn Josef Triebensee, schon bald an allen wichtigen Höfen und größeren Städten gespielt wurde, erlangte die Oper erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wieder an Bedeutung und Ansehen. Richard Strauss brachte 1898 als Hofkapellmeister in München einen Mozart-Zyklus zur Aufführung, dessen wichtigstes Ereignis die Rehabilitierung eben dieser „Opera buffa“ war.

Knapp 20 Jahre zuvor hatte Richard Strauss (1864–1949) im Alter von 17 Jahren die Serenade in Es-Dur für 13 Blasinstrumente vollendet. Erst mehr als ein Jahr nach der Fertigstellung, am 27. November 1882, wurde das Werk vom Dresdener Tonkünstlerverein unter Leitung von Franz Wüllner uraufgeführt. Noch im selben Jahr ließ Eugen Spitzweg, der Inhaber des Münchner Josef-Aibl-Verlages, die Serenade drucken; 1883 nahm der renommierte Dirigent Hans von Bülow das Werk ins Programm seines Konzertes mit der Meininger Hofkapelle (damals ein europäisches Spitzenorchester) und der sich anschließenden Orchestertournee auf. Die Serenade, wenngleich aufgrund ihres Entstehungsjahres als Jugendwerk zu definieren, markiert einen Wendepunkt in der Karriere von Strauss: Mit ihr erklang erstmals eines seiner Werke außerhalb seiner Geburtsstadt München, zudem begründete sie die äußerst fruchtbringende Zusammenarbeit mit Wüllner und mit Bülow, der ihn schließlich 1885 als Kapellmeister nach Meiningen engagieren sollte. Die Serenade, deren Themen an Schubert, Schumann und auch Mozart erinnern, belegt eine erstaunliche Kompetenz des jungen Strauss mit den diversen Klangfarben der Bläser. Durch sehr bewusst gesetzte Kombinationen von Instrumenten bilden sich immer wieder neue, interessante Farbschattierungen – zur Freude der Hörer, aber auch der Musiker.

Der aus Südböhmen stammende Joseph Triebensee (1772–1846) kam bereits in jungen Jahren nach Wien; sein Vater Johann Georg wirkte als erster Oboist der Wiener Hofkapelle bei zahlreichen Erstaufführungen von Werken Mozarts mit. Joseph, der von seinem Vater auf der Oboe ausgebildet wurde und bei Johann Albrechtsberger, dem späteren Lehrer Beethovens und Schuberts, Kompositionsunterricht erhielt, konzentrierte sich aber schon bald vorwiegend auf seine Tätigkeit als Kapellmeister. Von 1794 bis 1808 leitete er als „fürstlicher Kammer- und Theater-Kapellmeister“ die achtköpfige Harmoniemusik des Fürsten Alois von Liechtenstein, für die er mehrere Opern Mozarts (u.a. Don Giovanni, La clemenza di Tito und Così fan tutte), sowie Werke von Haydn, Schubert u. a. arrangierte. Zudem legte er eine Vielzahl an eigenen Kompositionen für Bläserensemble auf. Das Concertino für Klavier, Bläseroktett und Kontrafagott schuf er 1806 für die pianistisch begabte Prinzessin Leopoldina, Mutter des Fürsten von Liechtenstein. Concertino bezeichnet hier nicht ein Werk in der Art eines kurzen virtuosen Konzertstücks, sondern steht weitgehend als Synonym für eine mehrsätzige Serenade und betont lediglich ihren konzertanten Charakter. Besonders in den Ecksätzen kommt dem Klavier eine solistische Rolle zu.

Im Alter von 20 Jahren verließ der als Wunderkund geltende Frédéric Chopin (1810–1849) Warschau und gelangte über Wien nach Paris. Unter dem Eindruck dieser Flucht und aufgewühlt von den Nachrichten aus der polnischen Heimat, wo die russischen Besatzer einen Aufstand blutig niederschlugen, begann er bereits 1831 mit der Arbeit an der Ballade Nr. 1 in g-Moll, die er schließlich 1835 vollendete. Soweit bekannt, war Chopin mit dieser Ballade der erste Komponist, der den ursprünglich literarischen bzw. als vertonte Lyrik literarisch-musikalischen Gattungsbegriff auf ein Stück reiner Instrumentalmusik übertrug. Das Werk ist geprägt von unterschiedlichen epischen, lyrischen und auch dramatischen Inhalten, die sich zu einer einheitlichen Wirkung zusammenfinden. Es gilt als pianistischer Meilenstein, der sich durch kühne Harmonik auszeichnet und Richard Wagner vorwegnimmt.

Der italienische Komponist und Musikpädagoge Amilcare Ponchielli (1834–1886), zu dessen Schülern am Mailänder Konservatorium u. a. Giacomo Puccini und Pietro Mascagni zählen, ist heute insbesondere bekannt für seine Musik zur Oper La Giocanda; die allegorische Balletteinlage aus dem dritten Akt, der „Tanz der Stunden“, erlangte Wunschkonzert-Popularität. Der Großteil seines umfangreichen Schaffens – er schuf allein für Blasorchester mehr als 150 Werke – geriet hingegen in Vergessenheit und wird kaum mehr zur Aufführung gebracht. Il Convegno (zu deutsch: „das vereinbarte Treffen“) für zwei Klarinetten und Klavier komponierte Ponchielli im Jahr 1857. Das Werk besteht aus drei Abschnitten, die durch Kadenzen und andere verbindende Elemente miteinander verknüpft sind: ein geniales Allegro, ein Duett von opernhafter Lyrik und ein Allegretto scherzoso, das von der Virtuosität der Solisten zeugt. Das Werk erfreute sich schon bald großer Beliebtheit und wurde in der Folge in verschiedenen Bearbeitungen veröffentlicht.